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Kirchengeschichte

Hier finden Sie einen Artikel von Wolfgang Trogus, der sich detailliert mit der über 600 Jahre alten Geschichte der katholischen Kirchengemeinde Immenstaad befasst.

Und hier geht es zur Geschichte der Michaelskapelle. Im Jahre 2014 wurde sie 300 Jahre alt

Und hier finden Sie Informationen über die romanische Kirche in Frenkenbach

Geschichte der katholischen Kirche in Immenstaad


Vor über 600 Jahren entstand die Pfarrgemeinde St. Jodokus



"Erste Bulle des Papstes, vom 24. September 1410. Die Ausschnitte zeigen  das Siegel von vorn und hinten; die Abkürzung SPASPE bedeutet: Sankt Paul,  Sankt Peter. „Immenstad“ ist in der 3. Zeile zu finden.

Foto: Dr. Ch.  Schmider."
 
 
Seit fast 600 Jahren besteht die katholische Pfarrgemeinde St. Jodokus. Wie kam es damals, anno 1410, zur Errichtung ? Das Dorf war klein, es hatte 300, höchstens 360 Einwohner und gehörte zur Pfarrei Bermatingen, neben Teuringen eine der Urpfarreien des Linzgaus. Dort stand die Pfarrkirche und der Pfarrer hatte dort seinen Sitz. Der Weg zur Kirche war also sehr weit, etwa 10 km oder 2 ½ Stunden einfach - so daß es mancher vielleicht vorzog, die viel näheren Kirchen in Kippenhausen und Hagnau zu besuchen.
Wegen des „Pfarrzwangs“ mußte man dorthin sonntags zur Messe, und die Toten mußten auf dem dortigen Friedhof beerdigt werden - daher das bekannte „Totensträßle“, heute ein Feldweg am Sickelesholz, den es ähnlich auch von Kluftern aus gibt. Besonders schwierig und kritisch wurde es, wenn der Pfarrer zum Spenden der Sterbesakramente von Bermatingen geholt werden mußte.
Kluftern klagt noch 1600 in einem Brief an den Bischof: Bisweilen kommen wir in Bermatingen an, wenn das halbe Amt oder die Predigt schon um ist, und sind erst um zwölf oder eins vom sonn- und feiertäglichen Gottesdienst wieder zurück. Man bedenke, wie kümmerlich und mühselig wir die Toten nach Bermatingen führen und schleifen müssen. Nicht minder schwer sei es, bei jeder Witterung die Neugeborenen zur entlegenen Mutterkirche zur Taufe zu bringen. Wie notwendig sei es doch für das Seelenheil, daß man nicht ohne Beichte und Kommunion dahinsterbe, letztlich ohne Priester, und nur mit des Mesners Segen begraben werden müsse.
Im Jahre 1391 wurde die Pfarrei Bermatingen dem Kloster Salem inkorporiert, das einen Vikar dorthin setzte. Er erhielt eine Besoldung vom Kloster, welches weiterhin aus dem Pfarrsprengel den Zehnten bezog, soweit er nicht bereits in andere Hände geraten war. Daraus erwuchsen vielleicht die "Unabhängigkeitsbestrebungen" der Immenstaader, die um 1400 die Initiative ergriffen.
Im Jahre 1410 wandte sich die Gemeinde an den (Gegen-) Papst Johann XXIII.; es wird vermutet, daß man dazu eigens einen Boten beauftragte, wohl eher einen Geistlichen, der zum päpstlichen Hof (damals in Bologna!) reiste. Mit einer ersten Bulle vom 24. September 1410 beauftragte der Papst den Generalvikar in Konstanz, die Bitten der Gemeinde, man solle in Anbetracht des weiten und sehr beschwerlichen Weges zur Mutterkirche Bermatingen, besonders zur Winterszeit, gestatten, daß der Kaplan bei ihnen residiere und in der von ihnen neuerbauten Kapelle Gottesdienst halte, zu untersuchen und gegebenenfalls die Stiftung zu bestätigen. Doch solle Bermatingen den Kaplan ernennen und absetzen dürfen. Diese Bulle ist noch erhalten, sie befindet sich im Pfarrarchiv!
Dies war der erste Schritt zur Gründung der späteren Pfarrei. Die eigentliche Stiftungsurkunde hat sich nur in einer Abschrift des 16. Jahrhunderts erhalten, und zwar in den Akten eines Prozesses aus den Jahren 1535 bis 1539, als Pfarrer Jakob Brun (Braun) gegen die Zehntherren von Immenstaad wegen Aufbesserung seiner Bezüge klagte.
Mit Datum vom 11. Dezember 1410 stiften demnach der Ammann, die Gemeinde und die Einwohner des Dorfes unter Bezug auf die Bulle des Papstes die Kaplaneipfründe. Die dazugehörigen Güter, namentlich Weinberge, sind genau aufgezählt, dabei werden etwa 32 Stifter und 34 Anlieger genannt; dem Kaplan wurden jährlich neun Pfund Pfennige Konstanzer Währung Einkommen garantiert. Die Gemeinde verpflichtet sich, die Stiftung stets aufrecht zu erhalten und nie zu widerrufen. Burkhard von Helmsdorf, als einer der Gerichtsherrn des Orts, siegelt die Urkunde.
Wie in der lateinischen Urkunde steht, hatten vor 1410 der Ammann, die Gemeinde und die Einwohner … von andächtigem Eifer erfüllt und zum Seelenheil von uns und von unseren Vorfahren und weil es wegen der weiten Entfernung unseres Dorfes von der Pfarrkirche in Bermatingen schwierig war und ist, besonders bei regnerischen und winterlichen Wetter die Kirche in Bermatingen zu erreichen und zu besuchen ... mit Erlaubnis und Ermächtigung des apostolischen Stuhls aus unseren eigenen Gütern eine Kapelle zu Ehren der Jungfrau Maria, St. Jodokus und aller Heiligen errichtet und von neuem erbaut. Sie lag am westlichen Ende der alten Bebauung des Dorfs. Südlich dieser Kapelle, der späteren Kirche, floß der Kobenbach, in einem tiefen Graben, der zur Kirche hin mit einer Mauer gesichert war. Erst etwa 1935 wurde der Bach verdohlt.
Ich denke, daß die Kapelle schon viele Jahre früher erbaut worden war; Pfarrer Manfred Hermann schreibt im Kirchenführer, sie sei wohl schon um das Jahr 1000 errichtet worden! Das scheint mir nicht unwahrscheinlich - aber eben ohne eigenen Kaplan.
Patron war also von Anfang an der heilige Jodokus, dessen Verehrung als Helfer der Kranken seit dem 14. Jahrhundert verbreitet war. Er schmückt das erste Siegel der Gemeinde, und seine Insignien, Pilgerstäbe, Pilgermuschel und die abgelegte Krone, bilden das heutige Wappen. Im Volksmund hieß er "Jos", und der Vorname war zeitweise sehr beliebt.
1474 fing man an, den Kirchturm zu bauen; die Inschrift am Turm lautet: Als CCCC im LXXIIII iar da wart der erst stain an diesen turn gelait am näste tag nach sant Marxtag, also am 26.April 1474.
Am 17.2.1411 weihte Bischof Stephan von Volterra [Stefano del Buono war 1411-1433 Bischof von Volterra] die "Gottesackerkapelle, welche zu einer Kirche umgebaut worden", mit zwei Altären. Man beachte vor allem auch den ersten Hinweis auf einen eigenen Friedhof. Jedenfalls hatten die Immenstaader Tatsachen geschaffen!
Eine weitere Grundlage der späteren Pfarrei Immenstaad ist die zweite Bulle des Papstes Johann XXIII. vom 1. Mai 1414. Darin wird den geliebten Söhnen, der Gemeinde und den Einwohnern von Immenstaad auf ihre Bitten das Patronatsrecht auf die neu gegründete Kaplanei übertragen, auch solle es erlaubt sein, einen Gottesacker anzulegen und soll einem jeweiligen Kaplan gestattet sein, die heiligen Sacramenta des Altars, der letzten Ölung, wie auch andere zuspenden, aber nur für den Fall, wann der Weg die Mutterkirche zu besuchen der Witterung wegen gar zu hart sein sollte und der Abgestorbenen Leiber nicht füglich nach Bermatingen können getragen werden. Auch dürfe der Kaplan die Opfer behalten.
Wie Konrad Heilig schreibt, war Immenstaad damit de facto Pfarrei und es konnte sich daraus bald eine Pfarrei de jure entwickeln. Am 20. August 1414 präsentierten darauf Werner Trütli, Ammann, und die Gemeinde Immenstaad als Patrone dem Bischof für die von ihnen neugebaute und bewidmete Kapelle den Priester Johann (von) Prasberg mit der Bitte, ihn zu investieren. Auf die Proklamation des Generalvikars erheben Einspruch Konrad Suttoris, ständiger Vikar in Bermatingen, und Abt und Konvent in Salem, welche für sich das Patronatsrecht beanspruchen.


Die gotische Madonna im Chor der katholischen Pfarrkirche



Inzwischen war die Zeit des Konstanzer Konzils angebrochen, es wurde am 5. November 1414 eröffnet. Johannes XXIII. war über den Arlberg angereist. Die Gemeinde nutzte die Gelegenheit für Kontakte; aber schon am 21. März entfloh der Papst nach Schaffhausen und wurde am 29. Mai abgesetzt.
Doch noch am 21. Februar 1415 erwirken die Immenstaader eine dritte Bulle vom Papst. Darin wurden die früheren Bullen wiederholt, und weil in der ersten Bulle das Patronatsrecht auf die Kaplanei dem Regenten der Mutterkirche Bermatingen, in der zweiten Bulle aber der Gemeinde Immenstaad zugesprochen worden war, so wurde durch die neue Bulle dieser Fehler korrigiert und die zweite Bulle bestätigt.
Die Abtei Salem gab sich nicht zufrieden; es entstand ein langes Verfahren vor dem Konzil, über das im Immenstaader Ortsbuch und den Heimatblättern (Heft 7) ausführlich berichtet wird. Im Vergleich von 1431, den die Stadt Überlingen vermittelte, kam der Streit wohl zum Abschluß: Immenstaad wurden seine erlangten Rechte der selben Capell bestätigt, Salem aber der weitere Bezug des Zehnten gesichert. In diesem Vergleich ist vom Patronatsrecht der Gemeinde ebensowenig explizit die Rede wie von einem etwaigen Präsentationsrecht des Klosters.
Spätestens seit diesem Vergleich hat man die St. Josen-Kaplanei tatsächlich als "Pfarrei " anzusehen; in der Tat ist wohl ihre formale Umwandlung in eine Pfarrei nie erfolgt. Dies führte später zu Verwechslungen mit der Frühmeßstiftung.
In einer Kaufurkunde von 1445 ist bereits von der St. Josen-Kirche die Rede. 1451 verzichtete dann der Graf von Montfort auf sein Patronatsrecht der Kirche (davon er nit vil Nutzen gehept) zugunsten der Gemeinde; wahrscheinlich hatte er das Recht nur beansprucht und nie ausgeübt. 1470 wird der neue Pfarrer Büttler investiert. Die Urkunde von 1473 betrifft nur die Gründung der Frühmesse; doch wird auch in ihr von Kirche und pfärrlichen Rechten gesprochen. Zwischen 1431 und 1470 ist also aus der Kaplanei unbestritten eine Pfarrei geworden.
Von nun an waren die politische und kirchliche Gemeinde eng miteinander verknüpft: die politische Gemeinde hatte das Patronat, wählte also Pfarrer und später zwei Kapläne, verwaltete das Kirchenvermögen, baute Kirche, Pfarr- und Kaplaneihäuser. Noch heute befinden sich die meisten erhaltenen Urkunden der Gemeinde vor 1806 im Pfarrarchiv. Über die weitere Entwicklung der Pfarrgemeinde soll hier aber nicht berichtet werden.
Aufgrund der beiden Urkunden von 1410 feierte die Pfarrgemeinde im Jahr 2010 zu Recht ihr 600jähriges Jubiläum !

 

Link: Details zur Geschichte des Gebäudes der Pfarrkirche St. Jodokus finden Sie hier

 

Die verlorene Deckenbemalung der katholischen Pfarrkirche in Immenstaad

Aus Heimatblättern Heft 4 und Heft 5

F.X. Staiger sagt in seiner Beschreibung der Pfarrkirche (1861): ,,Die Deckengemälde  stellen dar... im Schiff: die hl. Dreifaltigkeit, angebetet von den Heiligen Jodokus und Sebastian, welche ihr zurufen: libera eos domine, namlich a peste, fame et bello, welche Worte ein Engel auf einem aufgerollten Blatte zeigt und zu deutsch heißt: befreie sie o Herr von Pest, Hunger und Krieg, nämlich die auf Schloss Herschberg und in dem Flecken Immenstaad (welche darunter abgebildet sind) und welches sich auf den 30-jährigen Krieg und Folgezeit bezieht."

Diese Deckenbemalung, etwa 300 qm, wurde später entfernt und galt bisher als verloren. Während der Abbrucharbeiten im September 1980 kamen nun überraschend bemalte Deckenbretter zum Vorschein. Der Verputz der Kirchendecke war nämlich auf Strohmatten aufgetragen, die auf Brettern befestigt waren. Diese Bretter ihrerseits waren von unten auf die Querbalken des Dachbodens genagelt und erwiesen sich als auf der Oberseite bemalt. Leider konnten aus dem Schutt nur einige geborgen werden. Die Bruchstücke enthalten Figurenteile und Ornamente. Sie wurden von Victor Mezger auf 1720-40 datiert und stammen daher wohl von der Renovierung 1738 (Erneuerung des ,,Kirchenhimmels”). Die Länge der Bretter betrug 185 cm, ihre Breite um 15 cm, die Stärke 1 cm. Die verwendeten Nägel und Haken sind industriell gefertigt, nur einige kürzere Nägel zur Befestigung der Strohmatten sind noch handgeschmiedet.

Nach dem Befund muss man schließen, dass die alten Bretter der Decke abgenommen und wieder verwendet wurden, um die Strohmatten für den Verputz zu befestigen. Dabei hat man die bemalte Seite nach oben gedreht.  So blieben die Teile zunächst erhalten.

Viele Zuschauer haben sie beim Abbruch gesehen und fotografiert.  Niemand hat etwas unternommen, dieses Kunstwerk zu retten. Bei einem sorgfältigen Abbau hätten alle einzelnen Teile geborgen werden können, und es wäre möglich gewesen, das alte, wertvolle Deckengemälde zu rekonstruieren. Die geretteten Bruchstücke sind von sehr guter Qualität, erlauben jedoch nur eine Vorstellung über das Aussehen der Ornamentfelder, die vermutlich auf allen 4 Seiten angebracht waren.  Auf graugrünem Grund läuft ein in sich geschlossenes, gelbliches Band mit braunem Randstrich; in der Mitte ist eine gelbe Blüte angebracht. Viele solcher Felder waren nebeneinander zu sehen.

Von den Bildteilen, die sich in der Mitte befanden, ist nur weniges übrig, z.B. ein Heiligenkopf (Jodokus?).  Daneben sind Teile des Bildes von 1905 erhalten.

Deckenbretter 5 Katholische Pfarrkirche 1980Deckenbretter 4 Katholische Pfarrkirche 1980Deckenbretter 1 Katholische Pfarrkirche 1980

Einige der geretteten Deckenbretter nach der Restauration mit Bemalungen von 1738

 

Insgesamt sind jetzt 4 verschiedene Bemalungen der Decke des Langhauses bekannt. Die erste umfasste das von Staiger beschriebene Bild, siehe oben, und das gelbe, verschlungene Bandornament.

Die zweite Bemalung stammt vielleicht von 1877/78. Wie die Fotografie von 1897 zeigt, war der hl. Michael dargestellt, der mit der Lanze den Drachen (Satan) abwehrt. Seitlich war ein bandförmiges Ornament angebracht,  es war von dem eben genannten verschieden.

Die dritte Bemalung ist oben beschrieben, sie bestand von etwa 1905 bis 1952, mit einem mehr flächenfüllenden Ornament.

Kath. Pfarrkirche Immenstaad innen um 1920

Die Pfarrkirche um 1920, mit der dritten Deckenbemalung

 

Darauf folgte das vierte Bild, das mit dem Kirchenschiff und den verborgenen Resten der barocken Bemalung 1980 unterging. Es zeigte, in Freskomalerei, den hl. Jodokus auf dem Bodensee, in einem Boot, als Pilger und Missionar, und das Ufer mit Bäumen und die Kirche von Immenstaad.

Pfarrkirche um 1970

Die Pfarrkirche um 1970, mit der vierten Deckenbemalung

 

Die Deckenbemalung von 1738

Auf Initiative des Heimatvereins hat Victor Mezger in Überlingen inzwischen einige der aus dem Schutt des Abbruchs geretteten Bruchstücke der ehemaligen Deckenbemalung von 1738 restauriert; er konnte ein Ornamentfeld ganz zusammensetzen (etwa 80 cm x 180 cm) und ein zweites mit etwas anderer Bemalung teilweise.

Victor Mezger schreibt dazu:

„Die mir überbrachten Fragmente der ehemaligen Holzdecke sind auf der früheren Unterseite großzügig mit sogenannten Bandelwerk-Ornamenten bemalt gewesen. Ein Stück zeigt einen betenden Mann, der als heiliger Jodokus gedeutet werden kann. Zwei Felder ergeben zusammen einen Brunnen mit einem Fries aus Löwenköpfen, darüber ein Feld mit der Darstellung des Pelikans, der seine Jungen nährt.

Zeitlich ist die Malerei um 1720 bis 1740 anzusetzen, könnte also aus der Renovation von 1738 stammen. Die Malerei ist trotz der Verschmutzung, welche unvermeidlich durch die bei einer späteren Kirchenrenovation erfolgten Nutzung als Schalbretter für die neugotische Gipsdecke entstand, relativ gut erhalten. Dies ist umso erstaunlicher, als sie m. E. in Caseintempera ausgeführt, also sehr empfindlich gegen Feuchtigkeit war. Nachdem dies die einzig erhaltenen Stücke der einst sicherlich imponierenden Deckenbemalung sind  - weniger die Ornamentik als das zerfetzte Fragment des Heiligen (Hände!) lassen einen routinierten Maler erkennen - sollten diese Dokumente, so kärglich sie sind, unbedingt erhalten werden.“

Weiter meint er:

„Leider ist dabei nicht klar geworden, wie es mit den beiden Bemalungen steht, den reinen Ornamenten und den wenigen Bruchstücken figuraler Bemalung, die sich von dem Löwenbrunnenmotiv stilistisch und in der Malweise deutlich unterscheiden. Da diese letzteren auf blauem, bereits bemalten Grund bemalt sind, wird die Sache noch rätselhafter.“

„Es sind leider wenig weitere Stücke, die unsere Vorstellung von der Deckenmalerei bereichern könnten, lediglich ein Adler und ein von einer Hand gehaltenes Buch lassen auf die Darstellung des Evangelisten Johannes schließen  -  die Malweise entspricht dem Jodokus.“

Deckenbretter 3 Katholische Pfarrkirche 1980Deckenbretter 2 Katholische Pfarrkirche 1980Deckenbretter 6 Katholische Pfarrkirche 1980

Einige der geretteten Deckenbretter nach der Restauration mit Bemalungen von 1738

 

Das Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau (Jürg Ganz) schreibt zum selben Thema:

„Mit Entsetzen habe ich Ihren Bericht zum Abbruch der Pfarrkirche gelesen, habe ich mir doch nicht träumen lassen, dass so was 1980 noch am Bodensee möglich ist.

Die Deckenmalerei  ist von hoher Qualität und lässt sich z. B. mit den plastisch in Stuck ausgeführten Ornamenten der Klosterkirche Münsterlingen vergleichen. Die Darstellungsweise des alten Beters zeigt die Hand eines virtuosen Könners. Man denkt an Franz Georg Herrmann, was zeitlich (1738) möglich wäre, jedoch stilistisch noch genauer untersucht werden müsste.  Ähnliche auf Holz gemalte Decken sind mir bisher nicht bekannt geworden. Wie leicht derartige Werke zugrunde gehen können, zeigt sich in diesem Falle erneut.“

Eine weitere Ergänzung zu dieser Deckenbemalung kommt aus Ottobeuren. Pater Ägidius Kolb teilt uns mit, dass es sich bei dem Ornament in der Mitte des einen Feldes, die goldene Rosette, ganz sicher um das Wappen des Ottobeurer Konvents handelt.

Man vergleiche dazu das Bild Seite 83 im Heimatblatt 5 (rechtes Wappen, vom Leser aus gesehen). 

Pater Kolb schreibt dazu: „Bei all unseren „Maleraufträgen“ (des 18. Jahrhunderts) ist dieses Ornament immer da und dort zu finden. Und wahrscheinlich hat man das nicht nur als Ornament benutzt, sondern der Abt Rupert Neß (1710-1740) hat um 1738 sicher auch aus seiner „Schatulle“ mitgeholfen zur Bemalung dieser damaligen lmmenstaader Kirchendecke“.

 

 

Pfarrer Katzenmayer läßt renovieren

Die Kirchturmuhr 1902

 

In seinem schönen Führer zur katholischen Pfarrkirche St. Jodokus in Immenstaad, 2000, berichtet Manfred Hermann (+2011), Pfarrer in Ebringen, über die Baumaßnahmen um 1900: 1902 wurden Turm, Langhaus und Chor außen erneuert, 1905 wurde das Innere restauriert.

Der Pfarrer, der sich damals so dafür einsetzte,  war Theodor Katzenmayer (1900-1910); von ihm ist nur bekannt, daß er aus Konstanz stammte. Auch ein Foto von ihm gab es bisher nicht.

Doch ein besonderer Fund hilft uns weiter. Nach dem Tode von Karl Glatthaar im vergangenen Jahr (der Dritte des Namens) fand sich in seinem Nachlaß ein großes, ja großartiges und einzigartiges Foto. Im Format 28 x 34 cm zeigt es einen Zwischenstand bei der Renovierung des Kirchturms.

Aufgenommen wurde das Bild von gegenüber, etwa von Süden, vielleicht vom ersten Obergeschoß des Hauses Hauptstraße 2 aus.

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Bei der Renovierung des Kirchturms um 1902 (Reproduktion: Bernhard Wrobel)

 

Zu sehen sind ein Teil des Kirchenschiffs, der Chor, der Turm und das Pfarrhaus. Entlang der (heutigen) Meersburger Straße stehen 18 Männer, alle mit Hüten und in Handwerkerkleidung. Davor sitzen 3 (wohl) Lehrlinge.

Vier Fenster des Pfarrhauses sind geöffnet, aus den beiden im Erdgeschoß schauen noch 3 weitere Personen. Keine der Personen ist mehr identifizierbar.

Vom Turm sieht man die Süd- und Ostseite, er ist auf allen Seiten eingerüstet; auf das steile Dach führen 2 Leitern und selbst die Turmspitze ist bis ganz oben eingerüstet.

Besondere Aufmerksamkeit erregt das Ziffernblatt der Turmuhr, das auf dem Boden steht. Es ist mehr als mannsgroß (etwa 2 m) und drei Männer kümmern sich drum. Es ist übrigens das westliche der beiden heute noch vorhandenen Ziffernblätter, denn das östliche ist oben bereits wieder montiert oder noch nicht behandelt. Unter diesem kann man heute noch, in Stein gehauen, lesen „Renov. 1902“. Das bestätigt auch das Jahr, an dem das Foto entstand: 1902 oder 1903.

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Die Arbeiter vor dem Ziffernblatt

 

Ein ganz ähnliches Motiv, um 1920 (?), aus dem Besitz von Josef Rauber haben wir in Heft 4 der Heimatblätter veröffentlicht.

Noch eine ganze Menge weiterer Einzelheiten kann man entdecken. Höhepunkt dabei ist der Pfarrer. Denn neben der Ecke des Pfarrhauses, hinter den beiden weiß gekleideten (wohl) Gipsern steht ein Mann, der einzige ohne Hut oder Mütze. Es ist der Pfarrer, also Theodor Katzenmayer, in seiner schwarzen Soutane. Der Ausschnitt aus dem großen Bild ist leider unscharf,. aber das einzige Bild, das ich von ihm kenne. Ob es noch andere Fotos oder Bilder von ihm gibt ?

Pfarrer Theodor Katzenmayer

Pfarrer Theodor Katzenmayer

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Alle Bauhandwerker tragen Mützen, Kappen oder Hüte

 

Was man auf dem Foto nicht sehen kann, nur erahnen, ist das damalige Umfeld.

Denn zwischen Pfarrhaus und Kirche verlief damals noch der Dorfbach, in einem tiefen Graben. Er erreichte, als „Kobenbach“ von Kippenhausen her kommend am Haus Berger (Meersburger Str. 18) die Straße, die ja damals noch nicht geteert war. Für die Gläubigen führte an  der Michaelskapelle eine Brücke über den Bach zur Kirche und zu dem umliegenden Friedhof. Daher befindet sich über dem Eingang der Kapelle eine kleine hölzerne Statue des Brückenheiligen Nepomuk. Erst um 1936 wurde der offene Bach verdohlt und die Brücke entfernt.

Auf dem Foto erkennt man den Bachverlauf an den hohen Büschen. Zu den Bauarbeiten mußten die Handwerker über den Friedhof und haben sicher den Bachgraben provisorisch überbrückt.

Wer noch mehr  über die Kirche, das Pfarrhaus (neu erbaut 1885), die Turmuhr von 1893, kirchliche Bräuche  oder die Michaelskapelle lesen will, findet sehr viel hier auf der Homepage des Heimatvereins und in den Heimatblättern.

Der Verein wäre sehr dankbar, wenn uns weitere Bilder von Pfarrern, Kirche oder Pfarrhaus zum Kopieren überlassen würden.

Wolfgang Trogus, Oktober 2017

 

 

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