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Turmuhr

Das Turmuhrprojekt in Immenstaad

Das Projekt geht auf eine Initiative von Dieter Hallmanns zurück.

Die alte Kirchturmuhr ist wieder zum Leben erweckt

Das Uhrwerk der alten Turmuhr in der katholischen Pfarrkirche Immenstaad wurde im November 1982 stillgelegt und durch eine moderne elektrische Mutteruhr ersetzt. Bis 2002 war die Uhr noch im Turm, seit 2008 geht sie auf dem Rathausplatz wieder ihren gleichmäßigen Gang. Denn nach Übergang des Eigentums auf die Pfarrgemeinde St. Jodokus 1980 hat der Heimatverein Immenstaad die Uhr 2005 als Dauerleihgabe zur Pflege und Bewahrung übernommen.

Die alte Turmuhr von Johann Mannhardt ist eine technische Meisterleistung, die daher zu Recht erhalten und wieder in Betrieb genommen wurde.

Die erste Turmuhr

Wann die erste Turmuhr in den Kirchturm kam, lässt sich nur vermuten. Aber heute ist noch im Turm ein Großteil der alten eingebauten Uhrenstube vorhanden, das noch vorhandene geschmiedete Türschloss zu dieser Stube kann man in die Zeit des frühen 16. Jahrhunderts einordnen. Zu diesem Zeitpunkt wurde vermutlich auch die erste geschmiedete Uhr in diese Stube eingebaut. Beim Aufräumen des Turmes wurde ein Keil zu einem Eisenuhrwerk gefunden. Diesem Keil nach zu schließen, muss es ein großes geschmiedetes Werk gewesen sein. Ein aus Rorschacher Sandstein gefertigtes Gewicht ist ebenso noch vorhanden und lagert in der alten Uhrenstube. Als einzige Notiz in den Akten ist zu finden, dass der Schlosser Friedrich Rebstein 1891 die „Schlagfeder zur Turmuhr zusammengemacht“ hat, was damals 1 Mark 50 Pfennig kostete.

Wir können uns diese damals gebaute Uhr als eine kräftige Eisenrahmenkonstruktion denken, in der zwei Werke vorhanden waren, eines für die Zeitanzeige und das zweite um die Stunden zu schlagen. Eine solche Uhr kostete damals ein Vermögen, vergleichbar war der Bau eines Bauernhauses, aber auch die Wartung derselben stellte hohe Anforderungen an den Verantwortlichen, der die Uhr jeden Tag mindestens einmal aufziehen musste. Bedingt durch die eingesetzten Materialien und deren Konstruktion liefen diese Uhren sehr ungenau, eine Sonnenuhr zur Zeitkontrolle war nötig und diente zur Korrektur der Turmuhr. Deshalb finden wir in der Nähe von Turmuhren so häufig heute noch eine Sonnenuhr. Hierbei wird uns bewusst, dass jeder Ort damals seine „eigene“ Zeit hatte.

Anzunehmen ist auch, dass diese Uhr immer wieder umgebaut oder besser auf dem neuesten technischen Stand gehalten wurde, wozu nur ein erfahrener Turmuhren-Schmied in der Lage war; ob hier z.B. die Schmiede des Klosters Weingarten bis zur Säkularisation 1803 aushalfen?

Die zweite Turmuhr

Um 1892 muss die alte Turmuhr einen so unzuverlässigen Gang gehabt haben, dass der Gemeinderat im Mai 1893 beschloss, eine neue Turmuhr anzuschaffen. Hier wird ganz sicher auch der Fahrplan der Dampfschiffe, die seit 1875 regelmäßig Immenstaad anliefen, eine große Rolle gespielt haben. Zudem war bereits vor 20 Jahren im Nachbarort Kippenhausen eine neue Uhr angeschafft worden, wie konnte da der große wohlhabende Ort Immenstaad zurückstehen.

Daher wurde im Mai 1893 bei der „Königl. Bayer. Hof -Thurmuhren-Fabrik Johann Mannhardt“ eine neue Turmuhr bestellt. Die Firma Mannhardt genoss einen ausgezeichneten Ruf als Turmuhrenfabrik und war zur damaligen Zeit der „Mercedes“ unter den Turmuhrenbauern.

Hinweisen möchten wir hier auf eine weitere Besonderheit für unsere Raumschaft, die Turmuhr erhielt einen Stundennachschlag. Dazu war ein eigener Werkteil notwendig, der natürlich auch entsprechend teuer war. Dieser Nachschlag war in den bayrischen Landen üblich, bei uns jedoch ist er sehr selten anzutreffen. Da die Wiederholung des Stundenschlages grundsätzlich auf der größten Glocke erfolgte, war er sehr weit zu hören. Ob dieses Zeitzeichen besonders für die Fischer und Schiffsleute installiert wurde? Man kann es nur vermuten.

Nach nur 6 Wochen Fertigungszeit kündigte die Firma Mannhardt bereits die Auslieferung am 1. Juli 1893 an. Es gab vermutlich viele vorgefertigte Teile. Die Uhr wurde per Bahn, in 6 Paketen, 862 kg schwer, nach Lindau geliefert. Die Kosten betrugen 1820 Mark, einschließlich Montage. Dazu kam der Weitertransport, wohl per Schiff, nach Immenstaad und auf den Turm, sowie die Kosten für die Nebenarbeiten am Turm (Gerüst usw.).

Gleichzeitig wurde mit dem Einrüsten des Turmes begonnen, damit die im Durchmesser 2 Meter großen Zifferblätter montiert werden konnten.

 

Uhrwerk

Fast 90 Jahre im Dienst

So manche der alten Immenstaader können sich noch an die Stundenschläge der früheren Turmuhr unserer St. Jodokus-Kirche erinnern. Waren sie zusammen mit dem Glockengeläut doch gerade für die Bauern damals eine wichtige und genaue Zeitanzeige.

Während ihrer „aktiven“ Jahre arbeitete die Uhr unsichtbar hinter den Zifferblättern und den Mauern des Turms. Die längste Zeit, 29 Jahre bis 1980, zog unser damaliger Mesmer Josef Rauber (oder die Ministranten) das Uhrwerk von Hand auf und stieg jeden Tag von der Sakristei bis zur Turmstube 65 Treppenstufen hoch. Dabei mussten alle 4 Werke bedient werden: Viertelstunden-, Geh-, Stunden- und Stundennachschlag.

Fast 90 Jahre tat dann das Uhrwerk seinen Dienst, bis 1981 eine elektrische Uhr installiert wurde sowie am Turm neue Zifferblätter mit elektrischem Zeigerwerk montiert wurden, so dass die Turmuhr weiter den gewohnten Anblick bietet.

Es ist ein Glücksfall, dass dieses alte, wertvolle Uhrwerk erhalten geblieben ist. Wie in maßgeblichen Fachkreisen belegt, handelt es sich bei dieser Mannhardt-Uhr von 1893 um ein sehr wertvolles Werk, bei dem es sich lohnte, dieses auch bei hohem Kostenaufwand zu restaurieren und um Zifferblätter, Glocken usw. ergänzen zu lassen, um die Uhr funktionsfähig in unserer Dorfmitte aufzustellen.

Standort der Turmuhr in der Dorfmitte auf dem Rathausplatz

Die Restaurierung des Uhrwerks

Im Heimatmuseum im Haus "Montfort" können bereits zwei restaurierte Turmuhrwerke bewundert werden, eines aus Kippenhausen, das zweite aus Deisendorf. Das Immenstaader Werk jedoch ist jedoch nun öffentlich sichtbar und wieder in Betrieb.

Nachdem die Restaurierungsarbeiten, die von der Fachfirma Ferner in Meissen getätigt wurden, vollendet waren und der neue gläserne Pavillon zwischen Bürgerhaus und Rathaus pünktlich fertig gestellt war, wurde beim Dorfmarkt am 22. Juni 2008 die Turmuhr wieder in Betrieb genommen und der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Uhr ist voll funktionsfähig mit Viertel- und Stunden- sowie Stundennachschlag, wie sie bis 1981 lief, wieder aufgebaut. Sie erhielt eine Nachtabschaltung der 4 Glocken, und es mussten neue Zifferblätter angeschafft, die Gewichte werden elektrisch aufgezogen und die genaue Zeit muss ab und zu funkgesteuert korrigiert werden.

Hier können Sie sich den Glockenschlag für 12 Uhr anhören:   Lautsprecher

Der Heimatverein war Projektträger, die Gemeinde übernahm die Baukosten des Untergeschosses und des Pavillons mit einer Festkostenzusage von 68.000 Euro, während der Heimatverein die Restaurierung und Präsentation der Uhr in Höhe von 44.000 Euro (jeweils plus MwSt.) trug.

Foto: Angelika Brozio, Immenstaad

Für Einheimische und Besucher ist jetzt die alte, wertvolle Uhr ein wirklicher Anziehungspunkt. Jetzt ist es möglich, das einzigartige mechanische Zusammenspiel von Antriebsgewichten, Pendel und Räderwerk unmittelbar betrachten zu können. In einer Zeit, in der Elektronik und Software die sinnliche Wahrnehmung von technischem Funktionieren weitgehend unmöglich machen, führt diese Beobachtung zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Download Turmuhr-Flyer

Hier können Sie den Flyer für die auf dem Rathausplatz Immenstaad  aufgestellte Turmuhr herunterladen. Klicken Sie einfach auf das Symbol:

                                        Flyer Turmuhr

Und hier können Sie eine ausführliche Dokumentation unserer Uhr herunter laden, erstellt von Marius Fabry

Link zum BR: Johann Mannhardt, ein genialer Pleitier

Link: Das mechanische Turmuhrwerk der Ruhlaer Concordia-Kirche

 

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