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Ortsgeschichte

 

Kleine Geschichte des Dorfes Immenstaad

  

Im östlichen Linzgau liegt am Ufer des Bodensees das Dorf Immenstaad. Von Westen her prägen die letzten eiszeitlichen Drumlin-Hügel das Bild der Gemarkung, sie flachen nach Nordosten und Osten, zur Bucht des Lipbachs hin, rasch ab. Reste von Pfahlbausiedlungen der jüngeren Steinzeit und der Bronzezeit, am Kippenhorn, und zahlreiche Werkzeuge aus Nephrit sowie Steinbeile beweisen, dass schon früh Menschen auf der Gemarkung siedelten. Grabhügel aus der Hallstattzeit, um 500 v. Chr., zeugen von der Besiedlung durch die Kelten. Sie lebten vom Fischfang, von der Jagd und von primitiver Landwirtschaft.

Aus der Römerzeit sind keine eindeutigen Spuren vorhanden, vielleicht weisen aber die Flurnamen „Heiden“ und „Spiegelberg“ auf frühere römische Reste hin. Nach der Einwanderung der Alemannen erfolgte die Gründung des Dorfs. Da der Ortsname keiner Periode zugeordnet werden kann, ist über die Gründungszeit viel spekuliert worden: die Vermutungen reichen vom 6. bis ins 10. Jahrhundert. Eindeutig ist nur die Bedeutung des Ortsnamens: Staad, d.h. Landestelle, des Immo, vielleicht auch: der Imma. Am wahrscheinlichsten ist immer noch die Gründung durch einen Sippenhäuptling Immo im 7. Jahrhundert; doch scheint auch eine Benennung nach dem Abt Immo von St. Gallen (um 980), allerdings dann sehr spät, möglich. Immerhin hatte St. Gallen Besitz in Happenweiler und Ehnehofen und in der ganzen Umgebung.

Die Anlage des Orts entlang der Hauptstraße lässt noch die planmäßige Reihung der Höfe erkennen. Ein starker fränkischer Einfluss bei der Gründung liegt nahe, dafür sprechen die Namen der heutigen Ortsteile Kippenhausen (das von Chippo, einer Kurzform des merowingischen Königsnamens Chilperich abzuleiten ist und 1158 erstmals erwähnt wird), und Frenkenbach (um 1000, 1090). Zur Gemeinde gehören auch die Wüstung Ehnehofen (1288), sowie Schloss Kirchberg, seit 1288 ein Gut der Abtei Salem; sie alle kamen erst im Zuge der Gemeindereform 1971/72 hinzu.

Die Gemarkung Immenstaads entstand in langer Entwicklung. Denn schon 875, 879 und 1201 (unsicher) und 1308 wird der Ortsteil Happenweiler erwähnt, wie auch ein Hof am angrenzenden Kniebach 1347 und noch 1491. Ebenso ist zu nennen Ried (am See), vielleicht schon 1116 und 1195, sicher 1283. Daran anschließend das Kippenhorn (auch zu Chippo), jahrhundertelang ein einzelner Hof, genannt 1143 und 1155 in verfälschten Weingartner Urkunden. Der Siedlungsplatz - heute „Schloss“ - Helmsdorf, der Stammsitz des gleichnamigen Adelsgeschlechts, dessen erste Namensträger 1213 und 1244 urkundlich erwähnt werden, erscheint um 1200 und 1259, er bestand lange aus 2 Höfen, später als Rittergut mit kleiner Niedergerichtsbarkeit (bis 1805). Schließlich ist zu erinnern an den Meierhof im Gewann Forsthalde, nördlich des heutigen Orts, 1287, 1307 urkundlich, im 16. Jahrhundert bereits verlassen. Als letztes nennen wir das Schloss Hersberg, dessen Name 1276 und 1410 erscheint, und das zum Reichsstift Ochsenhausen gehörte; es wurde 1924 mit etwa 4 ha in die Immenstaader Gemarkung eingegliedert.

Immenstaad selbst wird erstmals im Traditionencodex des Klosters Weingarten genannt, der um 1270 entstand. Es heißt darin, dass Herzog Welf IV. bereits vor 1094 - also vor etwa 920 Jahren - dem Kloster ein Gut in Immenstaad geschenkt hatte. Es handelt sich um den späteren Weingartner Hof an der Seestraße West. Erst viel später, 1331, erfolgt die erste direkte urkundliche Nennung des Orts.

So feierte Immenstaad im Jahre 1994 das 900-jährige Bestehen.

Die Grafen von Heiligenberg waren stets im Besitz der Hochgerichtsbarkeit über das gesamte Dorf, während sich die Niedergerichtsbarkeit schon seit Beginn der Überlieferung im 14. Jahrhundert in den Händen von drei verschiedenen Herren befand. Auch Grundherrschaft und Zehntrecht gehörten derart vielen Herrschaften, dass den Einwohnern durch die komplizierten Verhältnisse große Schwierigkeiten entstanden: 1785 bezogen 15 verschiedene Herren und Körperschaften den Zehnten, und 32 Herren die Grund- und Bodenzinsen! Elf Klöster hatten umfangreichen Grundbesitz, ein Viertel der Fläche, vor allem Weinberge.

Die niedere Gerichtsbarkeit über den Ostteil des Dorfs besaßen während der gesamten Zeit die Heiligenberger, die 1535 von Fürstenberg beerbt wurden. Das mittlere Dorf, der größte Anteil, war als Vogtei im Besitz der Herren von Helmsdorf und zwar als Lehen der Herren von Lupfen, Landgrafen von Stühlingen, deren erster Lehnsbrief von 1344 erhalten ist. Wie die Lupfener zu diesem Besitz gelangten, ist unbekannt, vielleicht über die Herren von Frauenberg und von Vaz. Ulrich von Helmsdorf verkaufte die Vogtei 1491 an die Grafen von Montfort-Tettnang, die schon 1500 an den Deutschen Orden auf der Mainau weiterverkauften. Nach dem Aussterben der Lupfener wurde das Haus Pappenheim und endlich (1639) Fürstenberg Lehnsherren über diesen Anteil. Außerdem waren die Helmsdorf belehnt mit der Vogtei über die Leibeigenen des Frauenstifts Lindau, die sie 1510 auch an die Mainau verkauften.

Das letzte Drittel von Immenstaad, der westliche Teil, der nur wenige Häuser umfasste, war seit Beginn der schriftlichen Überlieferung ebenso wie Kippenhausen und Frenkenbach Bestandteil der Herrschaft Ittendorf. Diese gelangte im Erbwege von den Schenken von Ittendorf an Walter von Hohenfels, 1407 an Burkhard von Ellerbach. Von ihm erwarb das Kloster Weingarten 1432 und kurz danach, 1436, die Reichsstadt Überlingen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg, 1650, musste die Stadt infolge ihrer Schulden die Herrschaft Ittendorf an das Kloster Einsiedeln verkaufen; von diesem kaufte 1693 das Kloster Weingarten die Orte Hagnau, Kippenhausen, Frenkenbach und West-Immenstaad. Noch 1778 hatte das heutige Gebiet der Gemeinde Immenstaad sechs verschiedene Herren! 1779 dann trat der Fürst von Fürstenberg die Grafenrechte über Hagnau, Kippenhausen und Frenkenbach an das Kloster Weingarten ab und erhielt dafür den westlichen Teil von Immenstaad.

Als dann 1783 Fürstenberg auch das mittlere Drittel von der Komturei Mainau im Tausch gegen die Grafenrechte über Lippertsreute erwarb, war die Dreiteilung des Dorfes beendet, welche die Geschichte des „tripartiten Fleckens“ über 400 Jahre bestimmt hatte. Wie sie entstanden ist, kann nur vermutet werden. Jede der 3 Herrschaften ernannte ihren eigenen Ammann. Stets bildete der Ort jedoch eine Gemeinde, mit einer gemeinsamen „Öffnung“ (Satzung) - spätestens seit 1460 - und einem Dorfmeister und Gemeinderat, die 24er, die von allen Bürgern jährlich an Silvester gewählt wurden. In jahrhundertelanger Auseinandersetzung mit den verschiedenen Herrschaften sicherten sich die Immenstaader die eigene Regelung ihrer bäuerlichen Angelegenheiten, mehr noch, sie stifteten 1410 die katholische Pfarrei und bauten die Kirche, besaßen früh ein eigenes Rathaus, wählten - bis 1807 - ihren Pfarrer und die beiden Kapläne selbst, und setzten nach langem Streit mit dem Mainauer Komtur 1669 in einer „Großen Freiheitsurkunde“ die Freiheit von der Leibeigenschaft, auch von Fronarbeit und Fall (Erbschaftssteuer), endgültig durch. Schon vor 400 Jahren organisierten sie die Feuerwehr und unterhielten eine kleine Landestelle sowie eine eigene Schule, deren Unterhalt später die Brodmannsche Stiftung sicherte; sie bezahlten als einzigen kommunalen „Beamten“ den Gerichtsschreiber, der oft auch Schulmeister war. Die meisten Grundstücke waren freies Eigentum, nur wenige Lehen. Diese Errungenschaften waren in den Dörfern ringsum damals mehr als selten!

Siegel der Gemeinde Immenstaad, vor 1875.

 

Die Pilgerstäbe, Muschel (oder ? Trinkflasche) und die abgelegte Krone sind Kennzeichen des hl. Jodokus, des Patrons der Pfarrkirche. So auch im modernen Wappen der Gemeinde.

Die wirtschaftliche Basis des Ortes bildete der Weinbau, der auch die relativ hohe Bevölkerungszahl ermöglichte. Als Beispiel erwähnt sei die Belehnung durch das Kloster Salem mit dem großen Gewann „Hardt“ im Westen des Dorfs, 1481, zur Anlage von Weingärten. Ackerbau und Viehzucht, Fischerei und Schifffahrt waren natürlich stets vertreten, spielten aber nur eine kleinere wirtschaftliche Rolle, ebenso das Handwerk. Noch 1792 erhielt Immenstaad von Fürstenberg zwei Jahrmärkte.

1806 wurde der Ort badisch und war Grenzort zu Württemberg, was seiner wirtschaftlichen Entwicklung nicht förderlich war. Seit etwa 1900 löste der Obst- und Hopfenanbau den Weinstock ab, und erst in jüngerer Zeit wurden wieder neue Rebgärten angelegt. Durch den Luftschiffbau in Friedrichshafen und die Ansiedlung der Dornierwerke 1958, sowie den Fremdenverkehr wuchs die Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten stark, auf inzwischen etwa 6200 Einwohner. Die Gemeinde Immenstaad mit ihren Ortsteilen Kippenhausen und Frenkenbach ist heute wirtschaftlich eng mit Friedrichshafen verknüpft und in einer Verwaltungsgemeinschaft verbunden.

Aufsatz von Wolfgang Trogus zur Geschichte Immenstaads zum Download:

Geschichte Immenstaads

 

 

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